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Verdammte Fremde

Wieder ein Planet, der an ihm vorbeirauschte. Er hasste Flüge in Planetensystemen. Zum einen, weil sie absolut langweilig waren, sah man von gelegentlich vorbeirauschenden Planeten ab, zum anderen aber, weil sie viel zu lange dauerten, weil innerhalb von Planetensystemen die großen Triebwerke nicht erlaubt waren. Wie die Teile für den überlichtschnellen Flug funktionierten, wollte man ihm nicht sagen. „Sie würden das sowieso nicht verstehen!“ lautete die lapidare Antwort von einem dieser schnöseligen Wissenschaftler, die das Ding erfunden und gebaut hatten. Egal, dachte er sich. Ich muss es nicht verstehen um es zu benutzen. Wäre dem so, würden 99% seines Volkes auf blankem Stein sitzen und sich ausschließlich ernähren und fortpflanzen. Genaugenommen taten die meisten auch so nichts anderes, nur dass sie dazu nicht auf blankem Stein, sondern auf ultrabequemen Sitzgelegenheiten saßen.

Er mochte es einfach nicht, wenn er mit so einer Geschwindigkeit durch Planetensysteme dümpeln musste, nur um mal wieder einen seiner Aufträge zu erfüllen. Der 3. Planet dieses Systems war sein Ziel um, mal wieder, einige Lebewesen von dort zu untersuchen. Nun war das Reisen dorthin eine Sache, aber die Untersuchungen eine ganz andere. Zwar waren die zu untersuchenden im Tiefschlaf und zudem auch noch sediert, allerdings vertrugen die meisten dieses Sedativum von einer anderen Welt nicht besonders gut. Es gab immer wieder furchtbare Unglücke, bei denen die Subjekte dafür sorgten, dass das Raumschiff nicht mehr benutzt werden konnte. Zudem verströmten nicht wenige dieser fremden Wesen einen üblen Geruch. Nicht wenige Male hatte er schon sein Schiff irgendwo abstellen und sich ein Taxi nehmen müssen, weil er den Geruch nicht mehr ausgehalten hatte. Glücklicherweise dauerte es nicht sehr lange, bis sich das von allein erledigt hatte, wenn man das Schiff etwas mit offenen Fenstern mitten im Raum stehen ließ.

Noch ein Planet rauschte an ihm vorbei, einer mit rötlicher Färbung. Nicht gerade eine Seltenheit, aber immerhin etwas Ablenkung vom sonst relativ leeren und ereignislosen Raum. Vor allem die eisbedeckten Polkappen sah man nicht immer. Jedoch war der Planet innerhalb weniger Augenblicke vorbeigezogen, so dass für das Bewundern der Polkappen kaum genug Zeit blieb. Etwas Gutes hatte es ja, hier angelangt zu sein… es würde nun nicht mehr lange dauern, bis er bei dem blauen Planeten angelangt war und seine Fracht an Bord nehmen konnte. Dazu würde er sich noch ein paar dieser Zettel besorgen, welche die Geschehnisse der Welt festhielten. Die überaus primitive Sprache, in der diese Geschehnisse verfasst waren, hatte der Bordcomputer vor einigen Jahren mal eben im Leerlauf entschlüsselt, als er nach etwas Zerstreuung während der Untersuchungen gesucht hatte.

Tatsächlich war in diesen Zetteln immer wieder zu lesen, dass die Planetenbewohner angeblich von Lebewesen anderer Planeten entführt und untersucht worden waren. Außerdem seien ständig und immer wieder unbekannte Flugobjekte an ihrem Himmel gesichtet worden, die offensichtlich die Transportmöglichkeiten dieser Aliens darstellen sollten. So ein Unsinn. Glaubten diese, offenbar nicht sonderlich intelligenten, Lebewesen tatsächlich, dass andere Völker, wie seines, so gigantische Strecken bis zu diesem Planeten zurücklegten und sich dann, wie durch Zufall, entdecken ließen? Sein Volk besaß Tarnmöglichkeiten mit denen man am helllichten Tage jemand anderem willkürlich ein Stück Holz ins Gesicht hauen könnte und derjenige würde es nicht bemerken. Oder zumindest würde er das Stück Holz bemerken und sich kurz danach darüber ärgern, dass sich dieses mit unerfreulich hoher Geschwindigkeit mehrfach in sein Gesicht bewegt hatte und es dafür verfluchen. Überdies war sein Volk zwar nicht übermäßig künstlerisch begabt, aber die lächerlichen Fälschungen von Filmaufnahmen, beleidigten doch irgendwie. Offenbar war man auch der Meinung, dass Außerirdische niemals einen gewissen Sinn für Ästhetik haben könnten. Die Lebewesen dieses blauen Planeten waren schon sehr merkwürdig. Als sein Volk den Planeten früher noch ausschließlich beobachtete hatte man festgestellt, dass die Bewohner des Planeten sich zum Teil eifrig an bestimmte Bücher und Schriften klammerten. In diesen wurden allerhand abenteuerliche Märchen erzählt, manche mehr, manche weniger gut. Aber was keiner verstand – die Bewohner brachten sich aufgrund der Tatsache, dass den einen das Buch der anderen nicht gefiel, einfach um. Nun hatte er selbst auch schon Literaturkritiker seines eigenen Volkes live beim gegenseitigen Kritisieren gesehen, allerdings hörte man bei ihnen auf, sobald jemand am Boden lag und erstes Blut floss. Auf diesem Planeten aber offenbar nicht. Er hatte alle dieser Bücher schon gelesen und musste feststellen, dass sich diese, bis auf wenige unwichtige Punkte, nicht sonderlich unterschieden. Märchen auf die eine oder andere Art erzählt, aber doch Märchen. Seltsam, dass man sich dafür tötete. Vor allem deshalb, weil sein Volk doch schon längst bewiesen hatte, dass es Gott zwar gab, aber dieser sich längst im Schaffensprozess weiterer Universen befand und ihm das hiesige daher ziemlich gleichgültig war. Warum sollte er sich besonders um dieses Universum und seine Bewohner scheren, wenn zeitgleich noch Milliarden andere ebenfalls vorhanden waren? Nicht mal Gott hatte so viel Zeit, sich ausreichend darum zu kümmern, zumal auch er sich abends gerne auf die Couch setzte und einfach nur ein bisschen Ruhe haben wollte.

Heutzutage übernahmen die Bewohner dieses Planeten die Überwachung seiner Bewohner selbst. Sein eigenes Volk musste nur noch die lachhaft codierten Signale abfangen und hatte dadurch natürlich Zeit für die wirklich wichtigen Sachen, wie herumsitzen und sich fortzupflanzen. Auch die Sportart Gleeb war eines dieser wirklich wichtigen Dinge, aber sein letztes gesehenes Spiel lag inzwischen schon sehr lange zurück und bei diesem letzten Spiel waren die Gnarfs des Spielfelds so weit in Paraqav versunken, dass sich das Anschauen nicht wirklich gelohnt hatte. Lediglich die 9. Spielhälfte konnte die Stimmung zum Abschluss noch etwas lockern, auch weil sich die Spieler doch noch mit den Gnarfs die Acaven einschlagen konnten.

Er drosselte die Geschwindigkeit, da die Bordanzeige verlauten ließ, dass er sich nicht mehr sehr weit vom dritten Planeten weg befand. Es wurde also Zeit, langsam schon einmal die Geräte vorzubereiten, damit die Untersuchungen schnell abgeschlossen waren und er wieder nach Hause gehen konnte. Von seinem letzten Besuch hier hatte er noch einige sehr interessante Datenpakete zu Hause, die er sich anschauen wollte. Vor allem diejenigen in denen ein Bewohner des dritten Planeten mit Trenchcoat und Tabakstange verbrecherische Artgenossen jagte. Das war irre spannend.

Um die Untersuchungen für die Forschungsobjekte (und auch für sich selbst) so angenehm und kurz wie möglich zu machen, begab er sich regelmäßig mit seinem Raumschiff auf eine parallele Zeitlinie, welche er an derselben Stelle wieder verließ, an der er sie betrat. So wurde die Abwesenheit der meisten Forschungsobjekte kaum festgestellt. Um die Forschungsobjekte, die bereits untersucht worden waren, zu markieren, wurde ihnen ein Marker eingesetzt, der aus hochenergetischen Fasern besteht. Dadurch ist es auch auf sehr weite Distanzen möglich, diesen Marker auszulesen. Doch viele Lebewesen der Spezies Mensch erschwerte dieses Auslesen, indem sie den Marker, eingesetzt in den Bauchnabel, einfach immer wieder entfernten. Dadurch wurde fast jeder mehrfach entführt. Oft sogar mehrmals am selben Tag. Auch so eine Sache, die er an diesem Planeten nicht leiden konnte. Immer mussten die Bewohner in und an Sachen herumfummeln, von denen sie keine Ahnung hatten. Ihr Ökosystem sprach Bände davon, wo schon überall herumgefummelt wurde.

Es war soweit. Endlich war der blaue Planet mit seinem Trabanten in Sicht. Der erste Gang wurde automatisch eingelegt. Dieses System wurde vor langer Zeit automatisiert, nachdem ein etwas unerfahrener Pilot bei einem zu schnellen Flug durch das Planetensystem zuerst den früheren fünften Planeten des Systems (welcher jetzt ein tristes Dasein als Asteroidengürtel fristete) und anschließend den zweiten und dritten Trabanten des dritten Planeten vaporisiert und dabei zu allem Überfluss auch noch einen Scheinwerfer des Schiffes zerstört hatte. Seitdem waren Flüge durch Planetensysteme nur noch mit Autopilot möglich, was durchaus vernünftig war. Solche Scheinwerfer kosteten immerhin ein halbes Vermögen.

Das Schiff stand kurz darauf still und schwebte hinter dem letzten verbliebenen Trabanten. Dies war ursprünglich mal dazu gedacht, dass man nicht von den Bewohnern des Planeten entdeckt werden konnte. Allerdings hatte man relativ schnell festgestellt, dass die Erdlinge, wie sie sich selbst nannten, derart trübe Tassen waren, was die Beobachtung des Weltalls anging, dass man sich nur noch deshalb hinter dem Trabanten verbarg, weil die Umprogrammierung des Autopiloten mindestens einen halben Vormittag gekostet hätte. Dazu hatte man keine Veranlassung gesehen und so war es einfach dabei geblieben.

Der Computer begann, den Planeten zu scannen und mögliche Freiwillige für die Untersuchungen auszuwählen. Währenddessen schaute er selbst nochmal in den Aufzeichnungen nach um sich die Planetendaten nochmals ins Gedächtnis zu rufen. Irgendetwas schien mit den Aufzeichnungen nicht zu stimmen. Offenbar waren inzwischen derartige Datenmengen durch Untersuchungen gesammelt worden, dass weitere absolut unnötig waren, denn der Computer zeigte keine geeigneten Exemplare zur Untersuchung an. Das konnte zwar sein, allerdings war es doch relativ unwahrscheinlich. Es gab noch so viel zu lernen und zu wissen von dieser Spezies, die sich selbst Mensch nannte. Mochten sie teilweise noch so eingebildet und dümmlich sein, so hatten sie dennoch viele Eigenheiten und Liebenswürdigkeiten, die sie sehr interessant machten. Und jedes Mal wurde doch noch etwas neues entdeckt, allein deshalb konnte er es nicht glauben, dass tatsächlich schon alles gesammelt sein sollte.

Er ließ das Schiff um den Trabanten navigieren und sah zum Seitenfenster hinaus. Offensichtlich war in der Atmosphäre des Planeten einiges los, da die Sicht auf den Planeten selbst fast nicht möglich war. Lediglich an einigen Stellen schimmerte es leicht bläulich. Vermutlich konnte der Computer wegen dieser Störungen der Atmosphäre keine Signale empfangen. Ärgerlich, bedeutete es doch, dass er nun unter die Wolkendecke musste, um ein direktes Signal zu bekommen.

Das Schiff flog weiter auf den Planeten zu und trat in die Atmosphäre ein. Durch diese hindurchgelangt, wurde ihm erst das ganze Ausmaß der Atmosphärenstörung vor Augen geführt. Offensichtlich hatten die Bewohner des Planeten es vorgezogen, einen Asteroiden auf ihrem Planten einschlagen zu lassen und dabei draufzugehen. Andererseits konnten nun Lebenssignale empfangen werden. Die Signaturen wiesen auch auf die Spezies Mensch hin, allerdings schienen diese sich nun unterirdisch aufzuhalten. Raffiniert, aber auch etwas einfältig, zu glauben, man könnte ohne Sonnenlicht und Atmosphäre besonders lange überleben. Wusste doch jedes raumfahrende Volk ganz genau, dass man schnellstmöglich die Expansion ins Weltall vorantreiben musste. Eine Spezies konnte auf einem einzelnen Planeten schlichtweg nicht lange genug überleben um dem Universum aufzufallen. Hierzu war es nötig, sich weiter zu verteilen und so das Überleben zu sichern. Aber fairerweise musste man dazu sagen, dass sein eigenes Volk es selbst erst gelernt hatte, als es sich selbst durch Kriege und Naturkatastrophen vier Mal beinahe vollständig ausgerottet hatte. Insofern hatte diese Spezies durchaus noch eine realistische Chance auf ein weiteres Überleben. Die nächste Zeit würde sein Volk öfters hier vorbeischauen um den Dreck etwas schneller aus der Atmosphäre zu bekommen. Ganz sich selbst überlassen konnten sie diese Spezies ja auch nicht, da es eben wirklich noch viel zu lernen gab.

Er beendete sein Protokoll des Besuchs, wendete das Schiff und flog zurück zu seiner Heimatbasis. Er hoffte stark, dass diese drollige Spezies das Überleben schaffte und als eine einzige Spezies zu handeln lernte. Eine schwere Lektion aber absolut nötig um nicht innerhalb eines viel zu kurzen Zeitraums zu Staub zu vergehen. Etwas, das leider schon viel zu vielen Zivilisationen im Universum widerfahren war. Hier durften sie leider nicht helfen, das war eine Lektion, die jedes Volk selbst lernen musste.

Wieder ein Planet, der an ihm vorbeirauschte. Er hasste Flüge durch Planetensysteme und war jedes einzelne Mal froh, wenn er wieder die großen Triebwerke nutzen durfte.





Kreationismus, die unbeachtete Gefahr in eigenen Reihen

Eines vorneweg: Ich betrachte mich nicht als Atheist, aber auch nicht als Kreationist, ja noch nicht mal als richtiger Christ. Mein Verständnis von Gott ist in etwa im Deismus anzusiedeln. Ich glaube also so in etwa, dass ein Schöpfergott, oder der Gott die Entstehung des Universums angestoßen hat, sich aber aus dessen Entwicklung vollständig ausgeklinkt hat. Insofern glaube ich zwar irgendwie an Gott, aber eben nicht an Gott als der unglaublich liebende Herr, der alles sieht, was ich mache.

Da ich also doch irgendwie an Gott glaube, nehme ich mir heraus, diverse Dinge sehr wohl beurteilen zu können und eben auch diese Thesen in diesem Text weiterzugeben.

Kreationismus ist, kurz gesagt, der christliche Fundamentalismus, der sich NICHT vom islamistischen Fundamentalismus unterscheidet, was die Denkweise angeht. Der einzige Unterschied, der die beiden Überzeugungen noch voneinander trennt, ist die Bezeichnung und Einordnung von Gott/Allah und Jesus/Mohammed. Ach nein, da war ja noch was... Kreationisten verzichten bisweilen darauf, sich unter Ungläubigen in die Luft zu sprengen, aber das ist nur noch eine Frage der Zeit.

Dabei wäre ich schon bei einer meiner Thesen, nämlich, dass Kreationisten entweder keinen logischen Menschenverstand haben, oder ihn einfach gekonnt ignorieren. Aus ein paar Diskussionen weiss ich inzwischen, dass Kreatis (so möchte ich sie im folgenden Text nennen. Ich wähle bewusst die verniedlichende Form, weil ich sie in ihrer jetzigen Aufstellung noch sehr putzig finde) z.B. glauben, dass niemals Dinosaurier existiert haben und die gefundenen Knochen und Fossilien von Regierungen und sogar von anderen Glaubensrichtungen geschaffen und vergraben wurden, um die christliche Wahrheit zu verleugnen. Da aber inzwischen doch sehr viele Knochen gefunden wurden und Kinder die Viecher einfach lieben (und mit Kindern darf man es sich ja nicht verscherzen), haben Kreatis inzwischen eine sehr dünne Erklärung bezüglich der Kreaturen Behemoth und Leviathan aus dem Buche Hiob aufgestellt, welche so als Erklärung für diese Funde herhalten müssen.

Auch Vormenschen, wie den Neandertaler (Homo neanderthalensis) oder den Homo erectus "gibt es nicht", laut den Kreatis. Es stimmt schon, dass die Vormenschen in der Bibel nich erwähnt wurden, aber dass deshalb gleich davon gesprochen wird, dass die Knochenfunde dieser Verwandten des Menschen einfach auch nur Menschen waren, die zum einen von Adam und Eva abstammten und zum anderen durch Missbildungen und Krankheiten die Knochenverformungen erlitten? Sagenhaft eigentlich, wie man sich alles Mögliche so hinbiegen kann, dass es für die eigenen Interessen doch passend ist.

Ein weiterer Argumentationspunkt ergibt sich aus genau diesem Punkt. Alle Menschen stammen grundsätzlich von Adam und Eva abstammen... ja. Und wer hier ein grobes mathematisches Modell aufstellt, der wird relativ schnell feststellen, dass dies nicht funktionieren kann. Und selbst wenn, dann wäre es doch ohne massive Fälle von Inzest nicht denkbar. Die BILD-Zeitung wäre hocherfreut, was sie da alles berichten könnte: Inzest-Vater Adam ließ seine Kinder untereinander Kinder zeugen! Aber das ist ja noch nicht alles. Adam und Eva zeugten Kain und Abel. Kain erschlug Abel, warum auch immer, und wird verbannt, aber von Gott gekennzeichnet, so dass er nicht von anderen Menschen wegen seiner Mordschuld getötet wird. Haben Sie es bemerkt? Woher kommen denn nun plötzlich die anderen Menschen? Versuchen wir dies an dieser Stelle nochmal als übersetzungsfehler abzutun. Den richtig grotesk wird es erst kurz danach. Kain gründete eine Stadt und benannte sie (jetzt kommts) nach seinem Sohn Henoch! Ich möchte an dieser Stelle jetzt keine präzisen Vorgänge beschreiben, aber wie hat Kain... ich meine, es sind doch sonst nur Tiere...da?

Aber auch hier haben die Kreatis die Lösung parat, die so logisch klingt, dass sich jeder vernünftig denkende Mensch doch gleich fragen muss: "Hä?" Adam und überhaupt sämtliche vorsintflutlichen Menschen (was hier keine Beleidigung, sondern eine zeitliche Abgrenzung darstellen soll) wurden mehrere hundert Jahre alt! Damit freuen sich die Kreatis gleich darüber, dass Eva so auch ein paar hundert Kinder bekommen konnte und so die Abstammung der Menschheit ja nun zur vollen Zufriedenheit aller geklärt ist.

Und hier kommt auch schon das nächste Aber von mir: Das spielt gar keine Rolle! Zur Erklärung des heutigen Durchschnittsalters im Vergleich zum vorsintflutlichen wird von den Kreatis angeführt, dass Noach der letzte der ersten Patriarchen war und ab dort das Lebensalter immer weiter abnahm. Warum, das lassen sie offen, aber okay. Dennoch: Es ist vollkommen unerheblich, ob Eva nun 2 oder 200 Kinder gebärt hat... wurden doch alle mit der großen Sintflut wieder ausgelöscht... alle ausser Noach und seine Familie. Die Rede ist hier von 8 Personen, die wiederrum mal eben die Erde bevölkert haben sollen und dabei lange nicht mehr so alt wurden, wie Adam und Eva. War es bei diesen beiden schon sehr unrealistisch, so ist es bei Noach und seiner Familie schon eher utopisch.

Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass die komplette Arterhaltung aller Lebensformen, die für ein Leben unter Wasser ungeeignet sind, sich relativ schwierig gestaltet haben dürfte, wenn sie nicht sogar als gänzlich unmöglich anzusehen ist. Denn: Entweder hat Noach tatsächlich von jeder einzelnen Art (Pferde, Kühe, Ziegen, Spinnen, Rüsselspringer, Tenrek, Kurzgesichtmaulwurf, Löffelhund, Dickschnabelkrähe, Hausstaubmilbe...) ein Pärchen auf sein Schiff gebracht, welches unter diesen Umständen etwa die Größe von Baden-Württemberg gehabt haben müsste, oder die Kreatis begründen ein sehr viel kleineres Schiff mit dem Umstand, dass Arten sich nach und nach erst entwickelt haben. Peng! Hier würden sich die Kreatis aber leider widersprechen, was die Evolutionstheorie angeht, denn diese lehnen sie ja explizit in jeder Hinsicht ab.

Da sich der Kreationismus hauptsächlich mit der Schöpfungsgeschichte beschäftigt, werde ich ihn auch hauptsächlich auf der Basis dieser Schöpfungsgeschichte kritisieren, sprich, das Neue Testament mit seinen vielen Romanfiguren, Floskeln und Lebensweisheiten werde ich nicht hier, aber vielleicht in einem gesonderten Text extra niedermachen. Doch zurück zum Thema.

Begeben wir uns etwas weg von der Entstehung des ganzen Lebens, das ist schon seltsam genug, und gehen wir über zur Entstehung von Landmassen, der Erde und des Universums allgemein. Auch hier waren die Kreationisten wieder sehr kreativ (vielleicht rührt daher auch der Name?). So hat eben, laut der Schöpfungsgeschichte, Gott das Licht am ersten Tag geschaffen. Okay, das könnten wir eventuell noch akzeptieren, auch wenn es aus phsysikalischer Sicht absoluter Unsinn ist. Am zweiten Tag jedoch wird es schon etwas merkwürdiger. Da schuf Gott also das Himmelsgewölbe, welches das Wasser unter der Erde vom Wasser über der Erde trennen sollte. Hier wird wohl Bezug auf das alte Weltbild der Scheibe mit eben diesem Himmelsgewölbe genommen, über dem sich wieder Wasser befinden soll. Immerhin ist es blau, also muss es Wasser sein! Gott schuf an diesem Tage auch noch die Wolken... woher die heutigen Wolken immer wieder kommen, ist also ein großes Rätsel im Kreationismus. Am dritten Tag schließlich hat Gott Land und Wasser getrennt (vorher Matsch, später Wasser und Land) und die Pflanzen erschaffen. Am vierten Tag hat er Himmelskörper ans Himmelsgewölbe geklebt... auch dies ist aus astrophysischer Sicht eher fragwürdig. Am fünften Meerestiere und Vögel geschaffen und am sechsten Tag wurde von ihm dann endlich der Mensch und die Landtiere erschaffen. Am siebten Tage letztlich hat Gott die Pause erfunden. Hier frage ich mich schon... was hat man bisher denn so in der Nacht gemacht, wenn die Pause doch erst am siebten Tag erfunden wurde? Und überhaupt möchte ich hier weiter ausholen... wie, um Himmels willen, konnte damals in Tage unterschieden werden? Tage entstehen durch die Eigenrotation der Erde auf ihrer Kreisbewegung um die Sonne. Genauso entstehen übrigens Nächte, falls Sie das noch nicht wussten. Aber diese Erkenntnis und die daraus folgende zeitliche Einteilung in Tage entstand erst sehr viel später durch den Menschen. Die ersten Menschen unterscheiden lediglich in Hell und Dunkel und leiteten daraus nicht zwangsläufig zeitliche Räume ab. Aber auch hier wenden die Kreatis einfach ihr K.O.-Argument an: Gott ist allmächtig und wusste es trotzdem! So!

Dennoch bleibt die Argumentation doch recht unsicher und es mag sich dem logisch denkenden Menschen nicht so recht erschließen, wie das nun von Statten gegangen sein mag. Auch hier das K.O.-Argument wieder problemlos anwendbar: Gott ist allmächtig und du nicht. Also kannst du das gar nicht begreifen! So!

Worauf ich eigentlich hinaus will... kann es wirklich sein, dass jemand solchen Unsinn, der bei der bloßen Vorstellung schlichtweg unrealistisch klingt, voll glauben und darin aufgehen kann? Und dabei ist es ja noch nicht einmal nur die sehr merkwürdige Sicht der Entstehungsgeschichte, sondern vielmehr das Gesamtpaket, welches ich sehr fragwürdig finde. Denn genau hier geht es alles in Richtungen, die auch z.B. islamistische Fundamentalisten mit gehen. Verbot von Homo-Ehen, verpflichtende Vorbildfunktion von Jesus Christus (dazu mehr im neuen Testament) oder die komplette Ablehnung von anderen überzeugungen und Glaubensrichtungen. Das hat nichts mit Nächstenliebe und Toleranz zu tun, wie es Jesus gepredigt hatte, sondern ist eine gefährliche Mischung. Insbesondere, wenn auf der anderen Seite genau der gleiche bekloppte Haufen in Form von islamistischen Gotteskriegern steht. Beide stehen sich in ihrer Verbohrtheit in nichts nach.

Ich möchte den Kreationismus nicht als komplett hirnverbrannten Schwachsinn darstellen, aber eigentlich schon. Es fällt mir schwer, wacklige Argumentationen von Geistlichen als bare Münze zu nehmen und zu glauben. Genauso finde ich es sehr bedenklich, dass teilweise sehr extremistische Gruppierungen immer wieder fruchtbaren Boden finden um ihre Lügen zu sähen (Jesus Junge Garde, Intelligent Design, CDU). Das beginnt bei relativ harmlosen Dingen wie kleinen Newsgroups oder Foren, in denen sich Kreatis austauschen und ihre neuesten Thesen einzuordenen versuchen und endet bei Großveranstaltungen bei denen beispielsweise Hitler mit einer Art Erlöser gleichgestellt wird, der anscheinend "eine richtige Idee aber die falsche Stimme dazu hatte". Bei so etwas hört für mich jegliches Verständnis auf, denn auch dies hat nichts mit Nächstenliebe zu tun, sondern ist einfach nur polemisches Geschwätz, welches verboten gehört.

Als ich zum ersten Mal vom Kreationismus und den überzeugungen dessen Anhänger gehört hatte, dachte ich noch, dass dies ein schlechter Scherz sei, ähnlich dem des Pastafarianismus, in welchem ein Spaghettimonster die höchste Gottheit darstellt. Derart verwirrte Thesen und Leitfäden konnten einfach nicht ernst gemeint sein. Aber ich wurde in einigen direkten Gesprächen eines Besseren belehrt.

Seitdem halte ich es mit dem Kreationismus, dass ich seine Anhänger solange konsequent ignoriere und als idiotistische Hupen ablege, bis sie eben gewalttätig werden sollten. Es hat einfach keinen Zweck diese von etwas anderem überzeugen zu wollen, aber es hat sehr wohl einen Zweck, wenn man sich nicht selbst noch solchen fanatischen Ideologien hingibt, sondern sie auf breiter Linie ablehnt und bekämpft.

Glaubt nicht immer alles, was mit Gott zu tun hat, er tut es nämlich auch nicht.





Ein Tag im Wartezimmer

Ganz ehrlich? Wenn ich in der Zeit meiner Anwesenheit in einem Arzt-Wartezimmer nicht meistens selbst krank wäre, ich würde es vermutlich lieben, dort zu sein. Was man dort alles erlebt... kein Kinobesuch bietet so viel Unterhaltung auf so einem kleinen Zeitraum gedrängt.

Vor gar nicht allzu langer Zeit war es mal wieder soweit. Ich war erkältet. Nun mag ich Arztbesuche eigentlich nicht besonders und gehe daher wegen einem kleinen Schnupfen dort auch nicht hin. Diesmal war allerdings noch hohes Fieber und ein paar andere Symptome dabei, so dass es leider nicht mehr anders ging (mein Arbeitgeber besteht nun mal auf den lustigen gelben Zettel auf dem in deutlicher Arzt-Schrift steht: wogihsdofijwoieg, es wird ogirjgosncsji 50mg verschrieben. Zumindest habe ich es so gelesen).

Ich saß also im Wartezimmer und fragte mich, wie lange ich diesmal wohl warten muss... ich bin mir ja durchaus über meine Sterblichkeit bewusst. Aber nach ein paar Stunden warten kommt es mir immer wieder so vor, als müsste der Zeitpunkt der Sterblichkeit jeden Moment hinter einem Stuhl hervorspringen und laut "DAA BIN ICH!" rufen. Ich saß also herum, als mir gegenüber zwei ältere Damen auffielen, die sehr angeregt miteinander sprachen. Generell glaube ich ja, dass ältere Menschen sich grundsätzlich kennen. Egal wer und egal wo, die älteren Menschen kennen sich und erzählen sofort alles Mögliche. So auch hier. Nach diversen Fetzen des Gesprächs (das zunächst noch im Flüsterton geführt wurde) war ich der Meinung: es ist unmöglich, dass diese zwei Damen miteinander verwandt oder verschwägert sind. Ebenso ist es unmöglich, dass sie denselben Freundeskreis haben. So viel konnte man aus diesen Fetzen schon heraushören.

Es ging also los. Egal ob man sich kennt oder nicht, grundsätzlich wird gefragt: "Sind sie auch hier?". Ich meine, Wow, eigentlich eine existenziell sehr bedeutsame Frage. Bin ich wirklich hier, nur weil mein Körper sich hier aufhält? Anscheinend ja, denn ich habe noch nie beobachtet, wie diese Frage mit einem Nein oder einer anderen sarkastischen Antwort (die ich auf jeden Fall bringen müsste, so viel Spaß muss sein) quittiert wurde. Sie war also auch hier, wer hätte das gedacht? Und dann geht man in Arzt-Wartezimmern kurz nach dieser Pseudo-Begrüßung automatisch fließend ins Jammern über. Und ab hier wurde es zum Teil nicht nur seltsam, sondern grotesk! Denn: Was diese beiden Damen für eine Krankheitsgeschichte hatten (zumindest erzählten sie das, ob es stimmte konnte ich nicht nachprüfen und auch die Arzthelferinnen wollten mir hier nicht weiterhelfen... ich bin nun mal kein Arzt, dem man helfen müsste), das würde reichen, um eine mittelgroße Stadt mit 100.000 Einwohnern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszurotten. "Jaja, ich hatte auch mal (hier beliebige Krankheit einsetzen)", das war der Lieblingssatz, der in diesem Gespräch gefühlte 89245925,19 mal gefallen war. Und mit jeder Wiederholung des Satzes + einer neuen Krankheit, die eine der beiden Damen auch mal hatte, stieg die Lautstärke der Unterhaltung.

Als dann das Gespräch im Dezibelbereich knapp über einem startenden Düsenjet lag, wurde eine der beiden aufgerufen. Ich fragte mich, welche Krankheit sie wohl diesmal haben mag. Vielleicht sollte ich mir, wenn ich dann dran bin, vom Arzt gleich noch etwas gegen Ebola, Pest, Anthrax und grünen Spinat geben lassen... man weiss ja nie.

Aber warum sind, insbesondere ältere Menschen, in Wartezimmern so? Ich als passionierter Videospieler vermute ja, dass man ab einem bestimmten Alter anfängt, seinen Punktestand zu notieren. Da ich selbst noch nicht in dem Alter bin, kann ich hier allerdings nur mutmaßen. Komplizierte Knochenbrüche geben etwa 5 Punkte, einfachere nur deren 2. Erkältungen und kleinere Wehwehchen erhöhen den Punktestand um einen Zähler, während tödliche Seuchen und Kontaminierung durch B- und C-Waffen volle 15 Punkte geben. Im Wartezimmer wird dann alles aufgezählt, was man einmal hatte. So werden dann die Punkte miteinander verglichen und es wird dadurch eine gewisse Rangordnung hergestellt. Das Muttchen, das das ganze Leben über gesund war und hier praktisch nichts vorzuweisen hat, bekommt hier sehr große Probleme, sich selbst zu behaupten.

Aber es gibt noch eine weitere Art von Menschen, die ich in Wartezimmern schon öfters entdeckt habe. Man kann sie als durchschnittlich intelligenter Mensch übrigens sehr schnell an ihren äußerungen erkennen und dann meiden. Es sind die kognitiv minderbemittelten, vornehmlich jüngeren (pubertären) Patienten, die absolut keine Ahnung von nicht haben, das nicht in der BRAVO steht, sich aber mit ihrem Sammelsurium an Halbwahrheiten gerade in Wartezimmern wichtig machen wollen (wichtige Anmerkung hier: zwei Halbwahrheiten ergeben noch lange keine ganze Wahrheit). Ich spreche von der Sorte Mensch (wobei man auch die Kategorie Mensch nochmal überdenken sollte), die sich besonders durch ihre zurückgebildete Fähigkeit der Artikulation bemerkbar macht. "Ey Alta", "Boah, du Opfer" oder auch "Lol" gehören zu den Lauten, die hier relativ häufig vernommen werden. Und in etwa 95% der Fälle kann hier direkt auf die Belastungsfähigkeit des Gehirns geschlossen werden.

Ebenfalls bei einem Wartezimmerbesuch ist mir eine Gruppe von 3 jüngeren Leuten aufgefallen. Nicht ganz in meinem Alter, also geschätzte 16-18 Jahre alt. 2 Jungs und 1 Mädchen saßen in der Nähe der Autozeitschriften und unterhielten sich ebenfalls sehr angeregt. Nach einigen Minuten erfuhr ich durch die vielen primitiven Wortlaute, dass wohl alle 3 einen HIV-Test machen mussten und nun auf das Ergebnis warteten. Nun ist das an und für sich ja kein witziger Anlass und so hatte ich zunächst noch ernsthaftes Mitleid mit den dreien. Jedoch kam der eigentliche Witz für mich, als sich die drei immer weiter über das Thema unterhielten. So war einer der beiden Jungs offenbar der Ansicht, dass das überhaupt nichts tragisches sei. "Ey Alta, wenn isch den scheiss HIV hab, da gibts jetzt voll die Drogen dagegen. Da bisch du immer voll high und des isch doch voll geil!". Der andere stieg hier voller Enthusiasmus ein: "Ey ja Mann. Von dem hab i au gelesen. Des isch überhaupt nimmer schlimm und man kann sich immer mit dem Zeug wegballern." Einzig das Mädel schien sich etwas zurückzuhalten. Vermutlich war sie sich noch am ehesten über die Konsequenzen eines positiven Tests im Klaren. Ich meine... geht's noch? HIV oder das daraus resultierende AIDS ist nach wie vor eine Krankheit die unumstößlich und ohne Wenn und Aber zum Tode führt. Medikamente können den Verlauf der Krankheit inzwischen bremsen, aber nicht aufhalten.

Hier war ich selbst dann auch etwas verwirrt. Ich wusste nicht, ob ich über so viel Naivität und Dummheit belustigt sein sollte, oder ob es nicht angebrachter wäre, in stiller Demut dem Herrn zu danken, dass ich 1. nicht selbst einen solchen Test machen muss und 2. mit etwas mehr Hirnschmalz geboren wurde um nicht derart dumm in der Weltgeschichte herumzuwandeln. Ich entschied mich zur 2. Variante. Wie sich dann herausstellte, war es wohl auch die klügere. Denn das Trio wurde vor mir aufgerufen (wobei ich mir bei dieser Gruppenkonstellation durchaus meine Gedanken gemacht hatte, warum die 3 wohl einen HIV-Test machen mussten. Ich hatte ein klares Bild vor Augen, aber unterließ es dann konsequent, mir dieses von der Gruppe bestätigen zu lassen), und kam mit guter Stimmung zurück ins Wartezimmer um ihre Jacken zu holen. Der Blick des sehr stillen Mädchens sagte mir, dass der Test wohl negativ war. Andernfalls hätte sie wohl nicht so erleichtert ausgesehen. Bei den beiden anderen glaube ich zwar, dass sie auch bei einem positiven Test gejubelt hätten (denn positiv bedeutet ja gut und so... Alta!), aber auch hier möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Zwei selbst erlebte Beispiele von völlig unterschiedlichen Arten Menschen in Arzt-Wartezimmern. Wie eingangs schon erwähnt... wäre ich selbst meist bei meiner Anwesenheit dort nicht relativ schwer krank (nicht so krank wie die beiden Damen selbstverständlich), könnte ich dort viel Freude haben beim Kennenlernen von menschlichen Verhaltensweisen. So interessant es dort aber auch zugehen mag, so froh bin ich doch jedes mal, wenn ich wieder zu Hause bin, mich dann wieder ins Bett legen kann und mich hoffentlich nicht mit irgendwas bei irgendwem angesteckt habe.

In diesem Sinne: Ich lege mich jetzt erst mal in den Garten und denke darüber nach, in welchem Alter mir eine Tabelle mit Punktzahlen für bestimmte Erkrankungen zugeschickt wird und was denn nun wirklich vorgefallen sein mag, dass eine Gruppe aus 2 Jungs und einem Mädchen einen HIV-Test machen muss... wildes Rudelbumsen mal ausgenommen (ich weiß ganz genau, dass das jeder beim obigen Text dachte, ihr Ferkel!).





Kaltes Land

Die Landung lief überraschend gut. Besser als in den ganzen Simulationen, die sie bei sich zu Hause immer und immer wieder eingeübt hatten. Der Computer berechnete, dass dies wohl an anderen Atmosphärenverhältnissen liegen musste. Dennoch sollte diese Welt seiner eigenen in ihrer Beschaffenheit nahezu identisch sein. Dies hatten ihre besten Wissenschaftler schon vor vielen Jahren herausgefunden. Seltsam, aber man muss mit den Dingen klarkommen, wie sie sind und nicht wie sie sein sollten. Daher schob er seine Gedanken zur Landung rasch beiseite und konzentrierte sich auf den bevorstehenden Ausstieg und das Zusammentreffen mit den Vertretern seiner Bruderrasse. Wieder lies er den Computer Berechnungen um die weitere Beschaffenheit der Planetenoberfläche machen. Während dieser damit beschäftigt war, sprach er seine ersten Tagebucheinträge seit er aus dem Kälteschlaf wieder erwacht war. Er erwähnte nur kurz die unerwarteten Messwerte zur Atmosphäre, kam aber schnell zu dem Teil, in dem er seine Vorbereitungen zum Ausstieg näher erläuterte.

Der Computer war indessen mit seinen Berechnungen zum Ende gekommen. Was dieser jedoch anzeigte, konnte nicht stimmen. Die Oberfläche, die sich gerade unter seinem Shuttle befand, strahlte, als würde hier pures Plutonium offen gelagert. Er überprüfte die Messinstrumente mit Hilfe von Referenzmaterialien, doch die Werte stimmten. Es half also alles nichts. Er musste wohl auf einem ungewöhnlich stark strahlenden Grund gelandet sein und kam nun nicht umhin, seinen Strahlenschutzanzug anzulegen. Vielleicht hatte er Glück und es handelte sich lediglich um eine lokale Anomalie, aus der er relativ schnell heraus gelangen konnte.

Durch den Anzug in seiner Beweglichkeit stark eingeschränkt, trat er vor die Schleuse und machte einen letzten Ausrüstungscheck. Mobile Messgeräte? Waren sorgfältig in seinem Koffer verstaut und am Mann. Die massive goldene Schallplatte? War in einem zweiten Koffer zusammen mit einem Geschenk untergebracht und ebenfalls am Mann. Der Kommunikator für das Shuttle war ebenfalls da, es konnte also losgehen. Nun würde er also einen ersten Blick auf diese Zwillingswelt werfen. Hier, wo der wandernde Prophet Josua einst hergekommen war, sollte er nun der Erste sein, der mit der Bruderrasse Kontakt aufnahm.

Josua war ein Mann, der bei ihnen zu Hause viel umher reiste und von Gott, seinem Vater, erzählte. Auch erwähnte er seine früheren Leben, die er auf fremden Welten zubrachte und auf denen er ebenfalls schon umherreiste. Das war vor 1000 Jahren in der Zeitrechnung gewesen, die Josua ihnen ebenfalls gezeigt hatte. Bevor Josua zur nächsten Welt gereist war, erwähnte er eine bestimmte Welt und deren genaue Position. Da damals die Raumfahrt noch in den Kinderschuhen steckte, konnte man zu dieser Zeit nur davon träumen, diese Welt auch irgendwann einmal zu besuchen.

Die Schleuse glitt zur Seite und sein Blick streifte die Welt, die noch nie einer der Seinen erblickt hatte. Doch er sah nicht das, was er erwartet hatte. Nicht das, was Josua erzählt hatte. Die Landschaft war karg... grau... leer. Ein Schleier aus Nebel und herumfliegender Asche lag in der Luft. Verbrannte Erde knirschte unter seinen Stiefeln, als er die Rampe verlassen hatte. War er auf dem richtigen Planeten gelandet? Wüstengleich lag alles vor ihm. Er musste sich vertan haben. Ein kurzer Blick auf seinen Kommunikator allerdings lies alle Zweifel am Ziel verfliegen. Er war auf dem dritten Planeten dieses Systems gelandet. Also war er hier richtig. Dennoch stimmte das Landschaftsbild mit nichts überein, was er oder sein Volk erwartet hatten. Er ging zunächst weiter auf einem Pfad aus Sand, Asche und größeren Steinen, die künstlich geschaffen wirkten.

Ein Gegenstand, der ein paar Meter entfernt lag, erweckte sein Interesse. Schnell war er bei diesem und hob ihn hoch. Wenngleich man deutliche Brandspuren daran sah, konnte man doch gut darauf schließen, wie dieser Gegenstand einst ausgesehen haben mochte. Es war ein quadratisches Brett mit jeweils gleicher Kantenlänge. Etwa so lang wie sein Unterarm. Seine Fläche war mit einem Muster beschaffen. Acht auf acht Quadrate, die abwechselnd schwarz und weiss gefärbt waren, waren zum großen Teil auf einer Seite des Bretts sichtbar. Er konnte sich keinen Reim auf den Sinn und Zweck dieses Gegenstandes machen, dennoch war damit klar, dass dieser nicht natürlichen Ursprungs war.

Er ging weiter, hinweg über ein Meer aus Asche und einem seltsamen anderen Material. Doch er hatte derzeit nur Augen für einen weiteren Gegenstand, den er ausgemacht hatte. Auf halbem Weg zu diesem sah er, wie ein Wind die Asche auf dem Boden streifte und zufällige Muster in diese zeichnete. Gleichzeitig lüftete sich der Nebel und gab den Blick auf das frei, was seit dem Ausstieg im Verborgenen lag. Trümmer. Gebäude, die zerfallen und zerschlagen waren. Strukturen einer Zivilisation, die schon lange nicht mehr hier leben konnte. Was war hier geschehen? Wie konnte das hier sein? Er konnte sich alles nicht erklären. Sicher wusste der Computer mehr. Immerhin musste er sämtliche Signale aufgezeichnet haben, die empfangen wurden, als er selbst im Kälteschlaf war. Er beschloss, sich den Gegenstand, den er vorhin ausgemacht hatte, noch näher anzusehen und dann zum Schiff zurückzukehren. Von Weitem konnte er eine kugelähnliche Form ausmachen, die halb in der Asche versunken war. Mit schnellen Schritten hielt er darauf zu. Als er direkt davor stand, ließ er sich auf die Knie nieder und streifte die Asche von dem Gegenstand ab. Eine gute Hand voll schob er zur Seite und machte aus blankem Entsetzen heraus einen Satz zurück. Aus der Asche starrte ihn ein Schädel mit einem grotesken Grinsen an. So sitzend schaute er sich sein direktes Umfeld näher an. Der Boden bestand aus Asche und das seltsame Material war nichts weiter als Knochen. Weit und breit nichts als Knochen. Bei genauem hinsehen konnte er auch hier überall Schädel und weitere Skelettteile ausmachen. Sprachlos angesichts dieses grausigen Anblicks krabbelte er schnell zu seinem Shuttle zurück. Er musste unbedingt nachsehen, was hier passiert war.

Wieder in seinem sicheren Raumschiff ließ er den Computer sämtlichen relevanten Daten laden, während er selbst aus dem Anzug schlüpfte. Nach der chemischen Dusche war der Computer mit dem Abrufen der Datenbestände fertig. Sämtliche Signale, die von dieser Welt ausgestrahlt wurden waren nun direkt abrufbar. Er wählte eine Videodatei, die laut Datenbank inzwischen etwa 200 Jahre alt sein musste. Er verstand die Sprache nicht, die darin gesprochen wurde, aber die Bilder sprachen eine eigene Sprache. Massenpanik, Tote und letzlich offene thermonukleare Reaktionen. Ein schrecklicher und blutiger Krieg hatte hier gewütet, so viel konnte er aus diesen Aufzeichnungen entnehmen. Wie konnte das nur geschehen sein? Es war nun schon ein paar hundert Jahre her, als sie ein Objekt in ihrem Sonnensystem ausgemacht hatten, das ausserirdischen Ursprungs sein musste. Als sie das Objekt damals geborgen hatten, offenbarte sich ihnen ein Machwerk einer fremden Zivilisation. Eine fremde Technologie. Und obendrein war auch ein Geschenk mit dabei. Eine runde Platte aus purem Gold mit Schriftzeichen darauf. Nach langen Untersuchungen waren den Forschern Datenbestände aufgefallen, die auf dieser Scheibe untergebracht waren. Zudem war in Bildern eine Anleitung zum Lesen dieser Daten auf der Scheibe. In einer fremden Sprache wurden Worte gesprochen, die sie nicht verstehen konnten. Doch es war auch anderes darauf gespeichert. Melodien, die harmonischer nicht sein konnten. Es musste ein harmonisches und friedliches Volk sein, das ihnen dieses Geschenk geschickt hatte. So entstand die Idee, diesem Volk diese Gaben zurückzubringen und um ein Geschenk ihrerseits zu ergänzen. Josua hatte Recht gehabt, als er sagte, dass sie nicht allein im Universum seien.

Und nun dieses böse Ende. Wie konnte es sein, dass ein Volk, das solch wunderbare Melodien und Dinge erschaffen konnte, in einem derartigen Inferno unterging? Wie konnte es sein, dass es sich gegenseitig vernichtete, wo sie doch Brüder und Schwestern waren? Wie konnten sie so ihren eigenen Untergang bereiten und dabei nur zusehen? Die Tränen standen ihm in den Augen. So weit war er gereist, so sehr hatte er sich auf die Begegnung mit seinen ausserirdischen Brüdern und Schwestern gefreut und nun waren sie allesamt tot. Ausgelöscht durch ihre eigenen Hände. So sprach er den Tagebucheintrag in seiner Sprache zu Ende, bevor er sich auf die lange Rückreise machen würde. Damit alles zu Hause ausgewertet werden konnte, falls er die Reise nicht überleben sollte, war diese Maßnahme dringend notwendig: "Planet Erde, von dem Josua sprach. Keine Lebensform mehr überlebensfähig. Dritter Planet des Systems. Lethale Strahlung überall vorhanden. Zivilisation und Leben war mit hoher Sicherheit vorhanden, ist aber nicht mehr existent. Josua hatte auch mit dem Selbstzerstörungsdrang, den er schilderte, Recht behalten. Unsere Brüder und Schwestern existieren nicht mehr. Sie sind alle tot."

So wurde ein Zusammentreffen der Erdenbewohner und der extraterrestrischen Besucher verhindert...





Kindersoldat

Es war einst ein schrecklicher Tag für den heute 10-jährigen Maarifa. Jener Tag an dem er seine Familie verlor. Miliztruppen des Nachbarbezirks marschierten heute vor zwei Jahren in sein Heimatdorf ein. All diejenigen, die Widerstand leisteten, erschossen sie sofort. Das Dorf wird gestürmt, Frauen und Kinder vergewaltigt und teilweise erschossen. Maarifa ist gerade hinter dem Haus, als er die Schüsse von drinnen hört. Er schleicht vorsichtig zur Hintertür und sieht dort, zu seinem Entsetzen, seine ältere Schwester in einer Pfütze aus Blut liegen. Sie atmet nicht mehr und ihr Blick ist starr auf die Decke gerichtet. Maarifa fängt an zu weinen und läuft zur Vordertüre. Auf halbem Wege stolpert er über etwas, das er vor Tränen nicht gesehen hatte. Er wischt sich die Augen und sieht seine Eltern im Gang liegen. Auch sie bewegen sich nicht mehr und aus ihren schmerzverzerrten Gesichtern spricht die pure Angst und Panik. Maarifa hatte von seinem Vater Geschichten gehört, von plündernden und mordenden Truppen, doch die Erzählungen schienen immer so weit weg und nicht wirklich. Nun war er selbst Teil einer solchen Geschichte. In seiner unendlichen Trauer kann er keinen klaren Gedanken fassen. Was soll er nun machen? Wohin soll er gehen? Wie soll er ohne seine Familie nur leben?

Die Tür fliegt auf, so dass sie fast aus den Angeln gehoben wird. Zwei schwer bewaffnete Männer von geschätzten 20 Jahren stehen im Portal und sehen Maarifa an. Einer recht ihm die Hand: "Du musst keine Angst mehr haben. Wir wissen nicht, wer deine Familie ermordet hat. Aber wir werden uns um dich an ihrer statt kümmern. Komm mit uns, mach genau das, was wir dir sagen und dann wird dir nichts geschehen." Maarifa, noch immer von Angst und Schrecken erfüllt, nickt und geht mit den Männern mit. Trotz all der Trauer, die er gerade fühlt, ist er doch erleichtert, dass er nicht ganz alleine ist. Er folgt den Männern zu einer größeren Ansammlung von Kindern und Männern, die auf dem Dorfplatz stehen...

Der Hauptmann kam ins Zelt und schreit, dass sich alle erheben sollen. Maarifa blinzelt und ist geblendet vom Tageslicht. Er hat in letzter Zeit immer wieder den gleichen Traum aus seiner Vergangenheit. Dem Tag als seine mitfühlende, menschliche Seite mit seiner Familie gestorben ist. Heute hat er nur noch vage Erinnerungen an seine Familie und es kümmert ihn nicht weiter. Heute ist sein großer Tag. Heute soll er einen Trupp seiner Kameraden von Osten in ein Dorf führen. Dort müssen sie Verpflegung organisieren und einen neuen Stützpunkt errichten. Maarifa ist freudig erregt ob dieser Verantwortung, die heute auf ihm lastet. Zwar hat er keine Sorgen oder gar Angst, dass die Operation fehlschlägt, immerhin ist es ja nicht das erste Mal, dass er bei so etwas dabei ist, aber trotzdem ist er innerlich etwas aufgewühlter als sonst.

Das Antreten beginnt. Maarifa steht neben seinen gleichaltrigen Kameraden und hört dem Hauptmann zu, was er zu sagen hat. Die Einzelheiten der Operation werden noch einmal erläutert und die Wichtigkeit unterstrichen. Gleich nachdem der Hauptmann gegangen ist, ruft Maarifa seinen Trupp zu sich. Waffen und Munition werden überprüft und aufgestockt. über Funk berät sich Maarifa mit den anderen Truppenführern und koordiniert so mit ihnen die Truppenbewegung und den Angriffszeitpunkt. Endlich ist es soweit. Der Hauptmann gibt über Funk den Angriff frei.

Maarifa und seine Kameraden stürmen in das Dorf und erschießen jeden, der Widerstand leistet, sofort. Maarifa schickt einen seiner Leute zu einem Haus, das dieser auch sofort stürmt. Maarifa hört Schüsse, ein sicheres Zeichen dafür, dass weitere Widersacher aus dem Weg geräumt wurden. Er sieht seinen Kameraden mit einem Grinsen auf dem Gesicht aus dem Haus kommen und die Straße entlang gehen. Maarifa nimmt sich einen seiner Leute zur Seite und schickt die restlichen ebenfalls die Straße entlang. Zu zweit betreten sie das Haus, welches gerade erst gestürmt wurde, um eventuelle Wertgegenstände und Verpflegung an sich zu nehmen. Kaum durch die Tür getreten, sehen sie einen Jungen in einer Ecke kauernd. In der Mitte des Raumes liegen vier Leichen, teilweise mit mehreren Schüssen hingerichtet, in einer größer werdenden Lache aus Blut liegen.

Es war eins ein schrecklicher Tag für den 8-jährigen Kimotho. Jener Tag an dem er seine Familie verlor. Miliztruppen marschierten heute vor einer Woche in sein Heimatdorf ein. Doch Maarifa und sein Kamerad entdeckten ihn im Haus seiner Eltern: "Du musst keine Angst mehr haben. Wir wissen nicht, wer deine Familie ermordet hat. Aber wir werden uns um dich an ihrer statt kümmern."





Man bekommt was man verdient

Es begab sich einst, dass da war eine Frau. Nun gibt es ja bekanntermaßen mehr Frauen als nur eine. Daher nennen wir diese spezielle Frau einfach mal Glisemedef. Glisemedef war eine durchschnittliche Frau. In allem war sie einfach durchschnittlich. Sie war weder hässlich noch von makelloser Schönheit. Sie war weder groß noch klein. Sie war weder dumm noch klug. Und auch wenn das Einparken auch gerne mal länger dauerte, so war sie doch nicht gerade die schlechteste Autofahrerin.

Glisemedef begab sich an einem durchschnittlich schönen Tag im Januar auf eine größere Tagestour. Es lag eine durchschnittlich hohe Schicht Schnee überall und es war durchschnittlich kalt. Sie musste einkaufen, einen neuen Personalausweis beantragen, Bankgeschäfte erledigen und zuletzt noch ihr Auto wieder volltanken. Es würde also die eine oder andere Stunde dauern, bis sie wieder ihr durchschnittlich gut eingerichtetes Wohnzimmer betreten konnte.

Sie begab sich damit zunächst zur Bank, da sie ohne Geld durchschnittlich wenig Waren erhalten würde. Mit durchschnittlich 70 km/h fuhr sie durch die Innenstadt und parkte mitten auf der Straße vor der Bank. Als sie sich aus dem durchschnittlich beschmutzten Fahrzeug heraus begab, vernahm sie eine zarte Stimme aus dem Wagen hinter ihr, die ihr mit den Worten: "Kackverfickte Drecksschlampe, sieh zu, dass du deine gottverdammte Scheisskarre wegschaffst, sonst häng ich dir das Genick aus!" zu verstehen geben wollte, dass sie doch bitte ihren Wagen an einer anderen geeigneten Parkmöglichkeit abstellen möge. Sie begab sich vor dem Betreten der Bank noch zum Fahrer des Wagens hinter ihr und antwortete mit dezent gewählten Worten: "Halts Maul, du verfluchter Hurenbock, sonst reiss ich dir deine Eier ab und schieb sie dir zu den Ohren wieder rein!" dass sie dazu im Augenblick keine Zeit habe und er doch bitte warten möge, bis sie ihre Bankgeschäfte erledigt habe.

In der Bank begrüßte sie ein Mitarbeiter freundlich: "Guddndagwaskannichfürsietun?". Sie kam relativ schnell auf den Punkt, da sie ja noch wichtige Dinge erledigen musste: "Maul halten und zuhören, Himmelarschundzwirn. Ich brauch 200 Eier von meinem Konto, und zwar zackig, sonst knallts!". Der Bankangestellte betrachtete ihr Sparbuch und nach der durchschnittlichen Menge Schreibarbeiten überreichte er Glisemedef die benötigten 200 Euro: "Hierbittegnäfrauschönentagwünscheichnoch". Sie eilte mit Abschiedsworten aus der Bank zu ihrem Wagen: "Jaja, schon Recht. Nächstes mal ein bisschen schneller, du Blödsack!". Am Wagen angekommen sah sie, dass inzwischen noch mehr Leute aus ihren Autos ausgestiegen waren und um ihr Auto herum standen. Sie bedankte sich für die Bewachung ihres Wagens mit: "Verpisst euch, ihr verdammten Bastarde, sonst baller ich euch eine!", stieg ein und fuhr zur nächsten Station.

Dies war zunächst die Tankstelle, da sie es mit der blinkenden Reserveleuchte wohl nicht mehr zum Supermarkt schaffen würde. Sie tankte also mit einer Vorwahl für 50 Euro. Nach nur wenigen Augenblicken zeigte die Tankuhr auch schon besagte 50 Euro an, jedoch nur etwa 30 Liter Benzin und darunter einen Literpreis von 1,62. Etwas verärgert über die derzeitige ölpreisentwicklung begab sie sich zur Bezahlung in das Tankstellenhäuschen: "Ihr elenden Blutsauger holt es euch von den Lebenden, was? Zur Hölle sollt ihr fahren samt euren ganzen Strichern und Schlampen, die ihr Familie nennt!". Sie bezahlte die 50 Euro und ging wieder zu ihrem Wagen. Jedoch trat sie dabei erst noch die Zapfschläuche aus ihren Halterungen, so dass diese auf dem Boden verteilt lagen. Sie wollte eigentlich nur einen einzelnen heraustreten in ihrer Wut, aber nun, da sie alle herumlagen, wollte sie nicht die überzähligen wieder in deren Halterungen stellen und fuhr einfach davon.

Da das Rathaus sich gleich in der Nähe befand, wollte sie dort zunächst einen neuen Personalausweis beantragen, bevor sie zum Endspurt, dem Einkaufen, ging. Dort angekommen begab sie sich gleich in das Büro und fragte den freundlichen Beamten, nach der Ausweisstelle: "Hey Alter, wach mal auf, Herrgott. Wo ist denn die scheiss Ausweisstelle?". Dieser verwies sie auf das nächste Büro. Sie öffnete die Tür, so dass diese zart gegen die Wand schlug, wieder zuflog und abermals an die Wand knallte und fragte nach ihrem neuen Personalausweis: "Ich brauch nen neuen Ausweis. Aber das ganze ein bisschen plötzlich, ich muss das Teil Morgen haben.". Der Beamte konnte allerdings ihre Anfrage nur negativ beantworten: "Tut mir leid Ma'am. Wir benötigen ein Passbild von Ihnen und Ihren alten Ausweis.". Wieder leicht verärgert über diese Verzögerung stimmte sie diesem Sachverhalt zu: "Ja leck mich doch am Arsch! Jetzt kann ich morgen nochmal wegen dem blöden Scheiss herkommen. Habt ihr eine Ahnung, wie schwer es ist, die 5 Minuten die ihr Idioten täglich arbeitet, abzupassen? Ihr Beamtenfürze kotzt mich an!" und begab sich wieder zu ihrem Auto.

Inzwischen hatte es weiter geschneit und der Schnee lag überdurchschnittlich hoch auf der Straße. Glisemedef fuhr mit durchschnittlich 120 km/h über die Straßen in Richtung Supermarkt. Im Radio plärrte die neueste Teenieband aus Deutschland ihren Hit. Sie empfand dieses Lied als etwas störend und wechselte mit den Worten: "Diese verfluchten Pissnelken! Verdammtes Pack! Ich hoffe, die werden nicht alt, ich kann den Scheiss nicht mehr hören!" den Radiosender. Als sie kurz den Blick von der Straße abwendete um den Sender zu wechseln, kam der Wagen ins Trudeln. Sie kam mit dem rechten Rad neben die Straße, so dass der Wagen sich drehte und von der Straße überdurchschnittlich weit abkam. Als der Wagen an einer nahen Hauswand einschlug, brach sie sich das das Genick und ihr Gesicht zerschmetterte am Lenkrad. Im Moment des Aufschlags am Lenkrad bohrte sich ihr durchschnittlich großer Schlüsselbund überdurchschnittlich tief durch ihr rechtes Auge in ihren Kopf und sie war auf der Stelle tot. Obwohl Notärzte durchschnittlich in etwa 15 Minuten am Unfallort sind, dauerte es hier etwas länger, bis jemand die überdurchschnittlich tiefen Radabdrücke am Straßenrand bemerkte und einen Notruf absetzte. So starb an diesem Tage also Glisemedef.

Und die Moral von der Geschicht? Fahre ohne Schneeketten nicht (bei entsprechend überdurchschnittlich schlechten Wetterverhältnissen)!





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